12. September 2016

Meister vs. Bachelor: Gemeinsamkeiten & Unterschiede - FAIN

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Berufliche und akademische Bildung sind gleichwertig – lernen Sie hier Gemeinsamkeiten & Unterschiede von Meister und Bachelor kennen. Jetzt lesen!

Meister vs. Bachelor: Gemeinsamkeiten & Unterschiede der Abschlüsse

Dass der "Deutsche Qualifizierungsrahmen" (DQR) heute dem Meistertitel und dem als erstem akademischen Abschluss in vielen Studiengängen verliehenen Bachelortitel den gleichen Rang zumisst, war ein wichtiger Verhandlungserfolg des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). In der Praxis hat dies jedoch an einigen Stellen für Missverständnisse gesorgt, weil einige Handwerksmeister die Neuerung falsch interpretierten. Sie waren davon ausgegangen, dass die Gleichrangigkeit auch bedeute, dass man beide Titel alternativ verwenden und beispielsweise auf Briefbögen, Visitenkarten und bei ähnlichen Gelegenheiten ohne Weiteres den einen Titel durch den anderen ersetzen könne. Das trifft allerdings nicht zu. Vielmehr zeigt ein detaillierter Vergleich Meister vs. Bachelor, welche Unterschiede zwischen beiden Abschlüssen bestehen und warum eine beliebige Austauschbarkeit auch nicht im Sinne derjenigen wäre, die einen Meistertitel erworben haben.

Meister vs. Bachelor - hohe Fachkompetenz vs. akademisches Grundlagenwissen

Der Meistertitel hat im Handwerk eine lange Tradition und war oft mit bestimmten Privilegien und Vorrechten verbunden, beispielsweise wenn es um die berufliche Niederlassung oder die selbstständige Ausübung eines Handwerks ging. Er stand für eine besonders hohe fachliche Kompetenz und ausgewiesenes Können im jeweiligen Beruf. Auch heute noch ist die bestandene Meisterprüfung Ausdruck dafür, dass der oder die Betreffende sich über die Inhalte der grundlegenden Berufsausbildung hinaus vertieftes Wissen und umfassendere Fertigkeiten angeeignet hat und sein Metier demnach besonders gut beherrscht. Insofern ist der Meistertitel nicht der Einstieg in ein Handwerk, sondern die "Krönung" einer Ausbildung.

Der Bachelor dagegen ist in den Studienrichtungen, in denen er verliehen wird, der erste akademische Grad, dem nach weiteren Studien der Master und gegebenenfalls auch noch der Doktor folgen können. Wer den Meistertitel im Briefkopf oder auf dem Firmenschild führt, zeigt damit an, dass seine Kunden und Auftraggeber eine besonders hohe Fachkompetenz erwarten dürfen. Ein Absolvent einer akademischen Ausbildung, der sich im Schriftverkehr als Bachelor ausweist, signalisiert damit, dass er sich zwar die Grundlagen seines Faches angeeignet, danach jedoch seine akademische Ausbildung nicht weiter vertieft hat, wie es beispielsweise für eine Karriere in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre notwendig wäre. Allein daraus ist schon ersichtlich, dass eine beliebige Austauschbarkeit zwischen beiden Titeln nicht sachgerecht wäre.

Gleichrangigkeit von Meister vs. Bachelor hat Vorteile bei Aufnahme eines Studiums

Dass die gleichrangige Einstufung von Meister und Bachelor als bedeutender handwerkspolitischer Erfolg gewertet wurde, hat andere Gründe. Sie markiert einen wichtigen Meilenstein einer Entwicklung in Richtung einer Gleichwertigkeit von akademischen und beruflichen Bildungsabschlüssen. Diese Gleichwertigkeit ist insofern von Bedeutung, weil es dadurch beispielsweise leichter wird, nach einer Berufsausbildung ein Studium aufzunehmen. Früher war der Zugang zu einem akademischen Studium nur mit Abitur möglich, später kam die fachgebundene Hochschulreife als weitere Möglichkeit dazu. Inzwischen öffnen aber immer mehr Hochschulen Studiengänge auch für jene Bewerber, die statt des Abiturs eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen können, wobei dabei meist auch eine gewisse berufspraktische Erfahrung vorausgesetzt wird.

Durch die Gleichrangigkeit von Meister vs. Bachelor wird es leichter, nach bestandener Meisterprüfung in einen Hochschulstudiengang zu wechseln. Dies gilt beispielsweise für den "Bachelor of Science Wirtschaftsingenieur" (B.Sc.), der von der Fachhochschule des Mittelstandes mit Sitz in Bielefeld angeboten wird. Damit profitieren Meister von der Gleichrangigkeit in der Praxis mehr als Bachelors, denn Letztere müssten nach wie vor erst einmal eine Lehre und eine anschließende Meisterfortbildung absolvieren, wenn sie einen Meisterbrief anstreben.