Fachkräftemangel – darum lohnt es sich Ihre Mitarbeiter weiter zu schulen
Derzeit werden düstere Prognosen verbreitet, was den Fachkräftemangel in Deutschland betrifft – einen detaillierten Überblick über die Personalnot in den verschiedenen Branchen finden Sie in unserem Ratgeber. Studien gehen davon aus, dass der Fachkräftemangel in Deutschland bis 2030 den höchsten Stand in ganz Europa erreichen wird. Zirka 3 bis 5 Millionen Fachkräfte sollen demnach fehlen. Das hätte zur Folge, dass trotz Wirtschaftswachstum Umsatzeinbußen von 14,4 % der heutigen Wirtschaftskraft, zu erwarten wären. Dies entspräche einem numerischen Wert von 525 Milliarden Euro. Um wirtschaftlich bestehen zu können, sollten Sie in die Schulung bereits vorhandener Mitarbeiter investieren, so schaffen Sie die Grundlage für nachhaltigen Erfolg – wie Mitarbeiterförderung konkret gelingt, zeigen wir in einem weiteren Beitrag
Wo herrscht Fachkräftemangel
Die Generation der Babyboomer geht nun in Rente. Daher werden qualifizierte Fachkräfte mit Universitätsabschluss, mindestens aber Abitur, dringend gesucht. Aufgrund des Akademisierungswahns fehlen zudem Fachkräfte in Ausbildungsberufen. Diese Stellen besetzen Unternehmen wiederum ungern mit Absolventen, die kein Abitur haben. Ausbildungsberufe haben das Problem ein schlechtes Image zu haben. Abiturienten gehen davon aus wenig zu verdienen. Jedoch fehlt in manchen Branchen schlicht die Information. Ein Dachdecker kann beispielsweise mehr verdienen als ein Assistenzarzt.
Derzeit ist der Fachkräftemangel vor allem in der Bau- und Industriebranche zu spüren, wo schon rund die Hälfte der offenen Stellen nicht besetzt werden können. Aber auch die Finanz- und Dienstleistungsbranche sowie der Gesundheits- und Pflegebereich haben mit einem Fachkräftemangel zu kämpfen. Durch die Digitalisierung von Unternehmen und Arbeitswelt besteht zudem ein enormer Bedarf an IT-Jobs, weshalb Unternehmen zunehmend auf interne Weiterbildung setzen – wie digitale Weiterbildung das Lernen beeinflusst und was Industrie 4.0 für Weiterbildungsinhalte konkret bedeutet, erklären wir in einem eigenen Ratgeber. Da digitales Know-how heutzutage eigentlich überall erforderlich ist setzen die Unternehmen nun zunehmend auf interne Weiterbildung.
Was müssen Schulungen leisten?
Die Auswirkungen des Fachkräftemangels lässt sich durch die Weiterbildung Ihrer bestehender Mitarbeiter mildern. Drei Viertel der in einer Forsa-Umfrage befragten Personalchefs sind überzeugt, dass Unternehmen, die in die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter investieren, dem Fachkräftemangel langfristig entgegenwirken können – und tatsächlich macht mehr als jeder zweite Deutsche inzwischen eine Weiterbildung. Zudem sehen 90 % Schulungen als wichtiges Mittel zur Mitarbeitermotivation. Laut der Studie wird jedoch nur bei rund 60 % der Unternehmen das Budget für Weiterbildung vollständig verbraucht. In anderen Ländern, vor allem im asiatischen Raum, sind Programme, die lebenslanges Lernen fördern fest in das Bildungswesen integriert und werden von der Politik gefördert. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollten auch deutsche Unternehmen diesem Model folgen – das Qualifizierungschancengesetz bietet dabei eine wichtige staatliche Unterstützung.
Schulungen müssen qualifizierend, flexibel und wirtschaftlich sein. Die Probleme bei Weiterbildungen sind oft, dass viele Maßnahmen ineffektiv sind. So können Schulungen zu oberflächlich sein oder als mehrmonatige Kurse Gefahr laufen auszuufern, sodass man den Überblick über das wesentliche verliert. Ein weiteres Problem ist, dass klassische Schulungen oft sehr schwer auf den Arbeitsalltag der Mitarbeiter abzustimmen sind, weshalb auch perfektes Zeitmanagement in der Weiterbildung eine entscheidende Rolle spielt. Für externe Schulungen wird der Mitarbeiter aus seinem Arbeitsalltag herausgerissen, da er Anreisen und manchmal auch übernachten muss. Bei In-House Schulungen wiederum können nie alle Mitarbeiter gleichzeitig geschult werden. Dieser Zeit- und Kostenaufwand muss dann natürlich in Relation zu der Effektivität der Weiterbildungsmaßnahme stehen. Wer dabei auch auf die Belastung der Mitarbeiter achtet, sollte wissen, dass Arbeit und Weiterbildung auf die Psyche schlagen können.
Warum sich Schulungen lohnen
Ein guter Weg um diese Probleme zu umgehen ist zunächst eine genaue Analyse des Qualifizierungsbedarfs im Unternehmen. Möglichkeiten hierfür sind Schnelltests, Fragebögen, Formulare, Strategien und Best-Practice-Beispiele. Es kann auch sinnvoll sein durch strukturierte Mitarbeitergespräche herauszufinden, in welchen Bereichen die Mitarbeiter Schulungen brauchen oder selbst einen Bedarf für eine Weiterbildung sehen. So wird es leichter passgenaue Schulungen zu finden. Diese können unternehmensintern, über Online-Seminare oder als berufsbegleitende, zertifizierte Bildungsmaßnahmen stattfinden – auch betriebliche Umschulungen sind dabei eine sinnvolle Option, von der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen profitieren. Wie Personalentwicklung durch IHK-Weiterbildungen gezielt gelingt, erklären wir in einem eigenen Ratgeber. Vorteile von Weiterbildungen sind, dass Fachkräfte effizienter und vielfältiger eingesetzt werden können und es zeigt auch eine Wertschätzung des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern an, wenn berufliche und persönliche Weiterbildung angeboten werden, denn Mitarbeiterbindung beginnt oft genau dort. Einen vollständigen Überblick über die Vorteile von Weiterbildungen für Unternehmen finden Sie in unserem Ratgeber,+. Zudem sind diese Maßnahmen gut für die externe Repräsentation des Unternehmens und somit für die Anwerbung weiterer Fachkräfte, wenn diese sehen, dass das Unternehmen in seine Mitarbeiter investiert. – Ebenso ist das erfolgreiches Netzwerken wichtig, das für die Anwerbung neuer Fachkräfte immer wichtiger wird. Daher ist es wichtig, das Unternehmen bereits in Bewerbungen Weiterbildungsmaßnahmen in den Vordergrund stellen – zumal sich auch der Bewerbungsprozess durch Algorithmen und KI grundlegend verändert hat und neue Fachkräfte gezielt angesprochen werden müssen. Neben Weiterbildungsmaßnahmen sollten Unternehmen auch sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter über ihre Arbeitnehmerrechte informiert sind – das stärkt Vertrauen und Mitarbeiterbindung.
Zudem gibt es immer mehr Anbieter für Schulungsmaßnahmen, die Optionen zur Verfügung stellen, die sich flexibel an das Unternehmen anpassen lassen. Dies können beispielsweise speziell auf das Unternehmen abgestimmte E-Learning-Kurse sein, die von den Mitarbeitern flexibel, z.B. in Teilzeit, absolviert werden können, sodass keine Räumlichkeiten notwendig sind. Zudem ist es so möglich, dass der Stoff nachgeholt und kleineren Lerneinheiten erworben werden kann. Daher setzten ein Viertel der befragten Unternehmen bereits Fernlehrgänge ein. Insgesamt geben 72 % der Personalchefs an, dass sie auch private Weiterbildungsmaßnahmen, auf Initiative der Mitarbeiter unterstützen möchten – welche Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber es dabei konkret gibt, zeigen wir in einem weiteren Artikel. Dies kann durch Übernahme von Studiengebühren, zusätzliche Urlaubstage, oder Boni bei erfolgreichem Abschluss geschehen.
Damit Ihr Unternehmen in der sich zunehmend digitalisierenden Wirtschaft bestehen kann, ist es wichtig Ihre Mitarbeiter zu schulen – denn der Einfluss der industriellen Digitalisierung auf die Weiterbildung ist dabei nicht zu unterschätzen. So bringen die Qualifizierungsmaßnahmen nicht nur die Mitarbeiter auf Ihrem persönlichen Karriereweg voran, sondern auch das Unternehmen auf den richtigen Weg in eine digitale Zukunft.