Zeugnissprache: Die verschlüsselten Codes in Arbeitszeugnissen | FAIN

Zeugnissprache © iStock/monkeybusinessimages

Zeugnisse sind die vom Arbeitgeber schriftlich festgelegte Anerkennung unserer Leistung. Obwohl wir uns ein möglichst individuelles Schriftstück wünschen, bestimmen Phrasen die Zeugnissprache. Hinter jeder dieser Phrasen verbirgt sich eine bestimmte Aussage. Diese in Standard-Floskeln zu kleiden, ermöglicht Arbeitgebern zweierlei. Sie können Ihnen ein facettenreich abgestuftes Lob oder negative Kritik aussprechen. Jedes Zeugnis, ob Ausbildungs- oder Arbeitszeugnis folgt einem bestimmten Code, den zu entschlüsseln sich lohnt. Dies verrät Ihnen, wie Arbeitgeber oder Ausbilder Sie und Ihre Leistungen tatsächlich bewerten.

 

Zeugnissprache: Was ein Arbeitszeugnis oder Ausbildungszeugnis aussagen soll

 

Zeugnisse beschreiben die Aufgabengebiete während unserer Tätigkeit und erläutern, inwiefern wir diesen gerecht geworden sind. Hinzu kommt die Bewertung unseres Sozialverhaltens. Beurteilungen, die uns beispielsweise als guten Teamplayer darstellen und unsere kommunikativen Fähigkeiten loben, sind wichtig. Wer nach seiner Live Online Weiterbildung als Industriemeister arbeitet oder beruflich in diese Position aufsteigen will, sollte darauf achten. Schließlich tragen Sie in einer solchen Position nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für andere Mitarbeiter. Es gilt, Ihren Führungsstil unter Beweis zu stellen. Daher benötigen Sie ein Arbeitszeugnis, welches Ihnen entsprechende Qualitäten attestiert. Es sollte ebenso auf Besonderheiten, wie Ihr Engagement zur Weiterbildung hinweisen. Nehmen Sie beispielsweise an einer Live Online Fortbildung neben dem Beruf teil, sollte das später im Zeugnis auftauchen. Denn damit zeigen Sie, dass Ihnen Ihr Job und die berufliche Weiterentwicklung auf dieser Ebene gleichermaßen wichtig sind. Nun kommt es darauf an, dass dies über die Zeugnissprache zum Ausdruck kommt.

 

Zeugnissprache: der Zeugnis Code

 

Natürlich sollte ein Arbeits- oder Ausbildungszeugnis einen spezifischen Bezug zum Beruf des Industriemeisters beziehungsweise Ihrer Fachrichtung aufweisen. Interessant dabei ist, dass in einem Zeugnis Phrasen auftauchen, die sich auch in den Zeugnissen jedes anderen Berufszweiges finden. Wer Sie kennt, kann demnach nicht nur die Zeugnisse seiner Fachrichtung richtig lesen. Folgende Floskeln der Zeugnissprache sind Ihnen bestimmt schon begegnet:

- Er/Sie erledigte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.

- Er/Sie zeigte großen Eifer bei der ihm/ihr anvertrauten Arbeit.

- Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war stets einwandfrei.

Aussagen wie diese lesen sich auf den ersten Blick positiv und sind gängige Zeugnis Phrasen. Wissen Sie, was dahintersteckt, sieht die Sache anders aus.

Aussage 1: Er/Sie erledigte die ihm/ihr übertragenen Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit.
Im Klartext: Die Arbeit war befriedigend aber weder gut noch herausragend.

Aussage 2: Er/Sie zeigte großen Eifer bei der ihm/ihr anvertrauten Arbeit.
Im Klartext: Das Engagement war vorhanden, die Fähigkeit zur Umsetzung leider nicht.

Aussage 3: Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten war stets einwandfrei.
Im Klartext: Das Verhältnis zu den Kollegen war besser als das zu den Vorgesetzten, was auf Schwierigkeiten mit Letzteren hinweist.

Die Liste solcher Zeugnis Phrasen ließe sich noch um weitere Beispiele ergänzen. Wichtiger ist es jedoch, dass Sie die Regeln des Zeugniscodes kennen. Damit lassen sich Zeugnisse unabhängig von ihren individuellen Aussagen entschlüsseln.

- Regel Nr. 1: das Notensystem der Zeugnis Phrasen im Arbeits- oder Ausbildungszeugnis

Ein Arbeitgeber benotet Sie in einem Arbeits- oder Ausbildungszeugnis, wie das erste Beispiel zeigt. Von ungenügend bis sehr gut kann demnach alles vertreten sein. Die Aussage "Er/Sie war bemüht" entspricht der Schulnote 6. Die Beurteilung "..erledigte die Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" hingegen bedeutet Note 1. Im Satzbau erfolgt die Notenabstufung aufgrund sprachlicher Mittel wie dem Superlativ. Also von der "vollen Zufriedenheit" hin zur "vollsten Zufriedenheit".

- Regel Nr 2: das Prinzip der Auslassung oder Ausschmückung der Zeugnissprache

Ein Arbeits- oder Ausbildungszeugnis kann ebenso zu wenig wie auch zu viel beinhalten. Letzteres sollte Sie im Hinblick auf bestimmte Aussagen stutzig machen. Dies betrifft Sätze, die sich im Arbeitszeugnis oder Ausbildungszeugnis auf Eigenschaften wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit beziehen. Warum es negativ ist, wenn der Zeugnistext diese betont? Es handelt sich um Eigenschaften, die jeder Arbeitgeber voraussetzt und von Ihnen erwarten kann. In Bezug auf den Beruf des Industriemeisters für Metall könnte eine entsprechende Aussage beispielsweise so ausfallen: Er/Sie zeigte einen guten Führungsstil. Diese Aussage ist problematisch. Ein guter Führungsstil ist Teil Ihres Berufes, da Sie im mittleren Management tätig sind. Sie tragen Verantwortung für andere Mitarbeiter. Ohne einen entsprechenden Führungsstil hätten Sie Ihre berufliche Position nicht erreicht. Ergo: Sind Formulierungen in einem Arbeitszeugnis zu kurz, ausführlich, phrasenhaft oder betonen Selbstverständliches, steckt dahinter meist eine deutliche Kritik.

Regel Nr 3: die Formulierungsreihenfolge der Zeugnissprache

Bei bestimmten Aussagen im Arbeits- oder Ausbildungszeugnis ist die korrekte Reihenfolge der Zeugnis Phrasen unerlässlich. Der Einleitung folgt Ihre Aufgabenbeschreibung und danach die Beurteilung Ihrer fachlichen Fähigkeiten und Ihres Sozialverhaltens. Ändert sich diese kann dies ein Hinweis darauf sein, dass bestimmte Aspekte dem Arbeitgeber negativ aufgefallen sind.

 

Wenn ein Arbeitszeugnis oder Ausbildungszeugnis negativ ausfällt

 

Unternehmen sind bei der Zeugnissprache in einem Arbeitszeugnis an die Gewerbeordnung gebunden. Ein Arbeitszeugnis darf demnach keine offenkundig negativen Zeugnis Phrasen aufweisen. Daher sollten Sie Ihr Arbeits- oder Ausbildungszeugnis genau prüfen. Empfinden Sie dort auftauchende Zeugnis Phrasen als ungerechtfertigt, können Sie dagegen vorgehen. Hier gilt es zunächst, das Gespräch mit Ihrem Ausbilder oder Arbeitgeber beziehungsweise den Personalern zu suchen. In manchen Fällen sind diese mit Zeugnis Phrasen selbst nicht ausreichend vertraut. Schlechtere Bewertungen können daher auch unbewusst entstehen. Weisen Sie daher auf spezifische Aspekte der Zeugnissprache hin und wenden Sie sich an Ihren ehemaligen Vorgesetzten. Einigen Sie sich auf eine Korrektur der Zeugnis Phrasen oder eine neue Version vom Arbeitszeugnis.

 

Bildnachweis: Zeugnissprache © iStock/monkeybusinessimages